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Mitarbeiter eines Unternehmens sitzen an einem Tisch und arbeiten mit ihren Labtops

Finanzanalyse nach DIN 77235: Existenzrisiken Ihres Unternehmens objektiv erkennen

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Absicherung & Vorsorge
Artikel von Anna Sodki, Dipl.-Volkswirtin, Financial Planner, zertifiziert für die Finanzanalyse nach DIN 77235
veröffentlicht September 2026
Was könnte die Existenz Ihres Unternehmens gefährden? Oft liegen die größten Risiken genau dort, wo noch nie jemand systematisch hingeschaut hat. Die Finanz- und Risikoanalyse nach DIN 77235 prüft deshalb objektiv die Finanzthemen Ihres Unternehmens, von Liquidität und Finanzierungen bis zu Haftungs-, Ausfall- und Substanzrisiken. Gerade bei Selbstständigen und Freiberuflern hängt die eigene Existenz direkt an der des Unternehmens. Was die Analyse konkret zeigt, lesen Sie hier.
Das Wichtigste in Kürze
Die DIN 77235 ist die Schwester-Norm zur DIN 77230. Sie schaut aber nicht auf Ihre private Situation, sondern auf die Finanzthemen Ihres Unternehmens.
Ziel: Risiken erkennen, die die Existenz Ihres Unternehmens gefährden könnten. Gerade bei Selbstständigen hängt daran oft auch die private Existenz.
Im Blick: Finanzen (Liquidität, Finanzierungen, Investitionen, Kapital, Rücklagen) und Risiken (Haftungs-, Ausfall- und Substanzrisiken). Objektiv erfasst und nach Priorität sortiert: existenzbedrohend zuerst.
Die Analyse Ihrer privaten Finanzthemen, also u.a. Altersvorsorge, private Absicherung und Vermögensplanung, deckt weiterhin die DIN 77230 ab.

Was ist die Finanz- und Risikoanalyse nach DIN 77235?

Stellen Sie zehn Beraterinnen und Beratern dieselbe Frage zu Ihrem Unternehmen, bekommen Sie oft zehn unterschiedliche Antworten. Genau das soll die DIN 77235 verhindern: Sie ist die genormte Finanzanalyse für Unternehmen, ein neutraler Standard und die Schwester-Norm zur bekannteren Finanzanalyse nach DIN 77230. Sie liefert ein einheitliches, objektives Ergebnis, unabhängig davon, wer die Analyse durchführt.
Der Unterschied zur DIN 77230: Die schaut auf Ihre private Situation. Die DIN 77235 schaut auf Ihr Unternehmen und prüft, was dessen Existenz gefährden könnte und wie sich die Existenz sichern lässt.
Für uns gehört beides zusammen: Gerade bei Selbstständigen und Freiberuflern hängt die private Existenz meist direkt an der des Unternehmens.
Ein guter Vergleich ist ein Blutbild: Die Analyse liefert eine unverfälschte, individuelle Übersicht Ihrer unternehmerischen Finanzen und Risiken, transparent sortiert nach Priorität, mit Orientierungsgrößen aus der Norm. Wie bei einem Blutbild sehen Sie erst die objektiven Werte, dann die Einordnung, und erst danach entscheiden Sie in Ruhe, was zu tun ist.

Warum reicht „das läuft schon irgendwie" oft nicht?

Viele Selbstständige kennen ihr Geschäft operativ sehr genau. Aber die finanzielle Risikolage des eigenen Unternehmens wurde selten einmal von außen, objektiv durchleuchtet.
Das ist keine Frage von Nachlässigkeit. Es fehlt schlicht die Zeit und ein neutraler Maßstab, an dem man sich orientieren kann. Genau den liefert die DIN 77235.

Was schaut sich die Analyse konkret an?

Die Analyse betrachtet zwei Seiten Ihres Unternehmens: die Finanzen, also Liquidität, Finanzierungen, Investitionen, Kapital und Rücklagen, und die Risiken, also Haftungs-, Ausfall- und Substanzrisiken. Dabei geht sie bewusst in die Breite statt in die Tiefe: Sie erfasst alle relevanten Themen, ohne sich in Details zu verlieren.
Die Norm ordnet diese Finanzthemen fünf Themenbereichen zu:
  • Haftung: Was passiert, wenn Ihr Unternehmen für einen Schaden bei Kunden oder Dritten einstehen muss?
  • Menschen im Unternehmen: Wie ist Ihr Unternehmen abgesichert, wenn Sie selbst oder wichtige Mitarbeitende ausfallen?
  • Liquidität und Währung: Ist Ihr Unternehmen auch für schwächere Phasen finanziell gerüstet, und wie wirken sich Geschäfte in Fremdwährung aus?
  • Verlust oder Beschädigung von Sachwerten: Was passiert, wenn Gebäude, Einrichtung, Fahrzeuge oder Waren beschädigt werden oder verloren gehen?
  • Recht: Wie gut ist Ihr Unternehmen im Falle rechtlicher Auseinandersetzungen aufgestellt?
Nicht jedes Thema betrifft jedes Unternehmen. Einige Finanzthemen gelten grundsätzlich für alle, andere nur, wenn bestimmte Voraussetzungen vorliegen. Deshalb klärt die Analyse zuerst ein paar Grundfragen: Welche Rechtsform hat Ihr Unternehmen? Beschäftigen Sie Mitarbeitende? Gehören Immobilien oder Grundstücke zum Betriebsvermögen? Haben Sie Fahrzeuge, auch geleaste? Arbeiten Sie mit Waren, etwa durch Einkauf, Lager oder Versand? Machen Sie Geschäfte mit dem Ausland oder in Fremdwährung? Trifft eine Voraussetzung nicht zu, entfallen die dazugehörigen Detailfragen. So bleibt die Analyse schlank und passt genau zu Ihrem Unternehmen.
Das Ergebnis wird in drei Prioritätsklassen sortiert, abhängig von Ihrem Geschäftsmodell. Maßstab ist jeweils der schlimmste denkbare Fall: Was passiert mit Ihrem Unternehmen, wenn sich ein Risiko in voller Stärke verwirklicht?
  1. Priorität 1: wahrscheinlich existenzbedrohend. Tritt ein solches Risiko im schlimmsten Fall ein, würde es Ihr Unternehmen wahrscheinlich nicht überstehen. Diese Themen gehören ganz nach vorn.
  2. Priorität 2: möglicherweise existenzbedrohend. Diese Risiken können die Existenz Ihres Unternehmens im schlimmsten Fall gefährden. Hierzu zählen auch Chancen, die Ihr Unternehmen spürbar stabiler machen würden.
  3. Priorität 3: nicht existenzbedrohend. Selbst im schlimmsten Fall steht die Existenz Ihres Unternehmens hier nicht auf dem Spiel. Dazu kommen Chancen, die Ihr Unternehmen zusätzlich festigen können. Diese Themen können warten, bis Priorität 1 und 2 geklärt sind.
Themen, die für Ihr Unternehmen wirtschaftlich kaum ins Gewicht fallen, werden als „unbedeutend“ gekennzeichnet. Themen, die bei Ihnen gar nicht vorkommen, zum Beispiel weil Sie keine Mitarbeitenden beschäftigen oder keine Auslandsgeschäfte tätigen, als „nicht relevant“. So sehen Sie auf einen Blick, worum Sie sich kümmern müssen und worum nicht.
Damit Sie die Ergebnisse einordnen können, nennt die Norm für einzelne Finanzthemen Orientierungsgrößen. Sie zeigen, in welcher Größenordnung eine Absicherung oder Reserve sinnvoll ist, zum Beispiel wie hoch die Deckungssumme für Haftungsrisiken mindestens sein sollte oder welche Mindest-Liquidität Ihr Unternehmen vorhalten sollte. So wird aus einem vagen Gefühl ein konkreter Vergleich: Wo liegt Ihr Unternehmen heute, und wo sollte es liegen?

Wie läuft das Ganze ab?

Die Norm legt einen festen Ablauf in fünf Schritten fest:
  1. Daten aufnehmen: Wir erfassen gemeinsam mit Ihnen die Daten Ihres Unternehmens, die die Norm vorgibt. Ohne eine ehrliche Datengrundlage gibt es keine belastbare Analyse.
  2. Relevanz prüfen: Für jedes Finanzthema wird geklärt, ob es für Ihr Unternehmen überhaupt eine Rolle spielt.
  3. Orientierungsgrößen bestimmen: Für alle relevanten Themen wird ermittelt, wo Ihr Unternehmen stehen sollte, zum Beispiel als Mindest- oder Sollwert.
  4. Istwerte ermitteln: Für dieselben Themen wird festgehalten, wo Ihr Unternehmen heute tatsächlich steht.
  5. Gegenüberstellen: Soll und Ist werden verglichen. So wird sichtbar, wo Lücken bestehen und wie groß sie sind.
Die Analyse bildet dabei den Stand zu einem festen Stichtag ab. Sie ist abgeschlossen, sobald Sie die Ergebnisse erhalten haben. Die erklären wir Ihnen verständlich, denn es geht um die Zukunft Ihres Unternehmens.
Danach bestimmen Sie Ihren Fahrplan: Die Norm liefert die objektive Grundlage, aber Ihre Ziele entscheiden über den Weg. Erst in der nachgelagerten Beratung geht es um passende Lösungen, und hier zählt die Qualität der Umsetzung genauso wie zuvor die Qualität der Analyse.
Unternehmen verändern sich. Kommt beispielsweise eine Mitarbeiterin dazu, ziehen Sie in neue Räume oder ändert sich das Geschäftsmodell, sollte die Analyse aktualisiert werden.

Für wen ist das sinnvoll?

Die Norm ist für kleine und mittlere Unternehmen, Freiberufler, Gewerbetreibende und Vereine gemacht. Besonders wertvoll ist die Analyse, wenn Sie Ihr Unternehmen noch nie systematisch von außen betrachtet haben oder vor einer Veränderung stehen, die Ihre Risikolage verschiebt, etwa neue Geschäftsräume, die erste Mitarbeiterin oder ein neues Geschäftsfeld. Für Existenzgründer kann die Finanzanalyse einen wichtigen Beitrag zum Businessplan liefern.
Dass auch Vereine dazugehören, ist vielen nicht bewusst. Gerade wenn Vorstandsmitglieder für die finanzielle Lage des Vereins persönlich mitverantwortlich sind, lohnt sich der objektive Blick.

Was bekomme ich am Ende, und was nicht?

Sie bekommen eine objektive Standortbestimmung Ihres Unternehmens und einen klaren Fahrplan, welche Risiken zuerst gelöst werden sollten, damit die Existenz Ihres Unternehmens und damit auch Ihre eigene gesichert ist.
Wichtig zur Einordnung: Die Analyse ist bewusst quantitativ. Sie zeigt Fakten und Kennzahlen und ersetzt kein eigenes Risikomanagement in Ihrem Unternehmen. Die Norm legt außerdem klar fest, was nicht Teil der Analyse ist:
  • Ihre Privatsphäre: Ihre private finanzielle Situation und die der Menschen, die in Ihrem Unternehmen arbeiten, gehören nicht dazu. Dafür gibt es die DIN 77230.
  • Rechtliche Prüfungen: Ihr Unternehmen trägt Risiken aus vielen Verträgen, etwa AGB, Liefer- und Leistungsverträgen, Arbeitsverträgen oder Gesellschafterverträgen, zum Beispiel für den Fall einer Insolvenz oder das Ausscheiden eines Gesellschafters. Diese Verträge prüfen zu lassen, ist sehr zu empfehlen, gehört aber nicht zur Analyse.
  • Steuerberatung: Ob sich eine bestimmte Finanzierungs- oder Rechtsform aus steuerlichen Gründen anbietet, klärt die Analyse nicht.
  • Unternehmensberatung: Abläufe, Organisation oder die Frage, ob sich eine Investition lohnt, bewertet die Analyse nicht.
  • Produktvergleiche: Welcher Versicherungstarif oder welche Finanzierung im Detail am besten passt, ist Aufgabe der anschließenden Versicherungs- und Finanzberatung.
Weil die Analyse in die Breite geht, bleiben manche Details bewusst der anschließenden Beratung vorbehalten. Ein Beispiel: Die Analyse erfasst, ob Ihr Unternehmen besondere Risiken durch Auslandsgeschäfte oder Fremdwährungen eingeht. Ob es spezifische Risiken in bestimmten Ländern gibt, wird nicht betrachtet.
Das heißt: Die DIN-77235-Analyse ist die objektive Diagnose. Für eine individuell passende, wirtschaftlich sinnvolle Lösung braucht es danach die weiterführende Beratung. Nach der Analyse beraten wir Sie zu den passenden Finanz- und Versicherungslösungen und begleiten die Umsetzung. Sie stehen nach der Diagnose nicht allein da. Bei sehr komplexen, spezialisierten Gewerbeversicherungsfällen verweisen wir Sie gezielt an passende Kooperationspartner. Für rechtliche und steuerliche Fragen sind Anwältin und Steuerberater die richtigen Ansprechpartner. Wir weisen Sie gern darauf hin, wo es sich lohnt, genauer hinzuschauen.

Und meine private Absicherung?

Dafür bleibt die DIN 77230 die richtige Analyse. Für Selbstständige ist oft die Kombination sinnvoll: Die DIN 77235 zeigt, was die Existenz Ihres Unternehmens gefährden könnte. Die DIN 77230 sorgt dafür, dass Ihre private Situation ebenso solide ist.
Häufig gestellte Fragen
Manche Fragen werden uns immer wieder gestellt. Hier finden Sie die Antworten.
Was unterscheidet die DIN 77235 von der DIN 77230?
Betrachtet die DIN 77235 alle Risiken eines Unternehmens?
Bleibt es bei der Analyse, oder begleiten Sie auch die Umsetzung?
Ich bin Existenzgründer oder noch nicht lange selbstständig. Lohnt sich das schon?
Was kostet die Analyse?
Bereit für ein Gespräch?
Wenn Sie vor einer finanziellen oder immobilienbezogenen Entscheidung stehen, klären wir gemeinsam Ihre Ausgangssituation, Prioritäten und möglichen nächsten Schritte.
Nach unserem Ansatz:
Karsten Müller und Anna Sodki stehen neben einem Roll-Up mit der Aufschrift "KlarStrategie"
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Anna Sodki, KlarStrategie GmbH
Über die Autorin
Anna Sodki ist Diplom-Volkswirtin, Financial Planner und zertifiziert für die Finanzanalyse nach DIN 77235. Bei der KlarStrategie GmbH in Köln berät sie zu Immobilien, Baufinanzierung und Finanzplanung, unabhängig, werteorientiert, aus einer Hand. Fragestellungen von Unternehmerinnen kennt sie aus eigenem Erleben.
Rechtlicher Hinweis
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung. Er enthält keine Rendite- oder Erfolgsversprechen und ersetzt keine Steuer- oder Rechtsberatung. Für Ihre persönliche Situation sprechen Sie uns gern an.