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Altersvorsorgedepot: Für wen lohnt sich die neue geförderte Vorsorge?

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Vorsorge & Geldanlage
Artikel von Karsten Müller, Versicherungskaufmann und Dipl.-Betriebswirt (FH)
veröffentlicht September 2026
Ab dem 1. Januar 2027 gibt es eine neue, staatlich geförderte Form der privaten Altersvorsorge: das Altersvorsorgedepot. Es soll die Riester-Rente modernisieren, mit mehr Kapitalmarkt, weniger Garantiezwang und einer einfacheren Förderung. Die ehrliche Antwort vorweg: Für manche ist es eine echte Chance, für andere nicht die beste Wahl. Ob es zu Ihnen passt, zeigt sich erst im Zusammenspiel mit Ihrer übrigen Vorsorge.
Das Wichtigste in Kürze
Das Altersvorsorgedepot startet voraussichtlich am 1. Januar 2027. Es ist ein gefördertes Wertpapierdepot, das ausschließlich der Altersvorsorge dient.
Der Staat zahlt Zulagen auf Ihre Einzahlungen, bei 1.800 Euro Eigenbeitrag im Jahr bis zu 540 Euro, dazu Zulagen für Kinder und einen Bonus für junge Berufseinsteiger.
Eine Beitragsgarantie ist nicht gesetzlich vorgeschrieben, kann aber, je nach Produkt, vereinbart werden. Die Kosten entscheiden viel: Der gesetzliche Kostendeckel gilt nur für das Standardprodukt.
Bestehende Riester-Verträge sollten Sie nicht vorschnell kündigen oder wechseln. Ob ein Wechsel sinnvoll ist, lässt sich nur im Einzelfall berechnen.
Rund um die Reform ist mit vielen werblichen Botschaften zu rechnen. Ob das Altersvorsorgedepot für Sie sinnvoll ist, ordnen wir im Rahmen der Ruhestandsplanung ein.

Was ist das Altersvorsorgedepot?

Das Altersvorsorgedepot ist ein Wertpapierdepot, das der Staat mit Zulagen und Steuervorteilen fördert. Es dient ausschließlich der privaten Altersvorsorge. Anders als bei vielen klassischen Riester-Verträgen soll das Geld stärker am Kapitalmarkt arbeiten, vor allem in breit gestreuten Fonds und ETFs sowie in bestimmten Anleihen.
Nicht vorgesehen sind Einzelaktien, Kryptowährungen, Zertifikate und andere spekulative oder gehebelte Produkte. Das Depot ist also kein Spielfeld für kurzfristiges Handeln, sondern für einen langfristigen, geförderten Vermögensaufbau bis zur Rente.
Jeder Anbieter soll außerdem ein Standardprodukt anbieten: ein einfaches, breit gestreutes Modell aus Aktien- und Rentenfonds, bei dem das Risiko mit zunehmendem Alter automatisch reduziert wird. Daneben ist eine öffentlich organisierte Standardlösung vorgesehen.

Ab wann gibt es das Altersvorsorgedepot?

Der Bundestag hat die Reform am 27. März 2026 beschlossen, der Bundesrat hat am 8. Mai 2026 zugestimmt. Das Altersvorsorgedepot soll zum 1. Januar 2027 starten.
Einige Details sind bis dahin noch offen, etwa die konkrete Ausgestaltung der öffentlichen Standardlösung und die Angebote der einzelnen Banken, Versicherer und Broker. Wer jetzt schon ein fertiges Produkt angeboten bekommt, sollte deshalb genau hinschauen.

Wie hoch ist die Förderung?

Die Förderung richtet sich - nach heutigem Kenntnisstand - nach Ihren eigenen Einzahlungen:
  • 50 Prozent Zulage auf die ersten 360 Euro im Jahr, also bis zu 180 Euro
  • 25 Prozent Zulage auf weitere Einzahlungen bis insgesamt 1.800 Euro im Jahr, also bis zu weitere 360 Euro
  • zusammen maximal 540 Euro Grundzulage im Jahr bei 1.800 Euro Eigenbeitrag
  • für Kinder bis zu 300 Euro im Jahr je Kind zusätzlich
  • für alle, die bei Vertragsbeginn jünger als 25 Jahre sind, einmalig 200 Euro Berufseinsteigerbonus
  • Mindestbeitrag: 120 Euro im Jahr
Ein Beispiel: Wer im Jahr 1.800 Euro einzahlt, erhält nach dem vorgesehenen Grundmodell 540 Euro Zulage. Ins Depot fließen also 2.340 Euro, obwohl Sie selbst nur 1.800 Euro gezahlt haben. Für Familien mit Kindern kann die Förderung deutlich höher ausfallen. Zudem können Sie die Beiträge steuerlich absetzen.
Wir berechnen Ihnen gerne Ihre individuelle Förderung.

Wie wird das Altersvorsorgedepot besteuert?

Während der Ansparphase werden Erträge, Umschichtungen und nach aktuellem Konzept auch die Vorabpauschale nicht besteuert. Dafür greift später die nachgelagerte Besteuerung: Die Auszahlungen im Ruhestand versteuern Sie mit Ihrem persönlichen Einkommensteuersatz.
Das Altersvorsorgedepot ist also kein steuerfreies Depot, sondern ein Steueraufschub mit staatlicher Förderung. Wie vorteilhaft das ist, hängt davon ab, wie hoch Ihr Steuersatz heute ist und wie hoch er im Ruhestand voraussichtlich sein wird.

Wie wird ausgezahlt, und komme ich vorher an das Geld?

Im Ruhestand können Sie zwischen einer lebenslangen Rente und einem Auszahlplan wählen, der mindestens bis zum 85. Lebensjahr läuft. Der Auszahlplan ist flexibler als die bisher verpflichtende lebenslange Riester-Rente. Er hat aber einen Haken: Leben Sie länger, kann das Geld aufgebraucht sein. Eine lebenslange Rente schützt dagegen vor diesem Langlebigkeitsrisiko.
Vor dem Ruhestand an das Geld zu kommen, ist grundsätzlich möglich, aber in der Regel förderschädlich. Zulagen und Steuervorteile müssten Sie dann zurückzahlen. Das Geld ist also langfristig gebunden.

Chancen und Risiken im Überblick

Chancen:
  • Höhere langfristige Renditechancen, weil stärker in Aktienmärkte investiert werden kann
  • Staatliche Zulagen, die sich besonders für Familien und Berufseinsteiger lohnen können
  • Keine Besteuerung in der Ansparphase, dadurch wirkt der Zinseszinseffekt stärker
  • Standardprodukt mit Kostendeckel, das vergleichbarer und transparenter sein soll
  • Kein Zwang zu einem Versicherungsmantel
Risiken und Grenzen:
  • Keine Beitragsgarantie: Der Depotwert kann deutlich fallen, auch unter die Summe Ihrer Einzahlungen.
  • Börsenrückgänge kurz vor Rentenbeginn können die Auszahlungen spürbar schmälern
  • Die Auszahlungen werden später mit Ihrem persönlichen Steuersatz versteuert
  • Das Geld ist gebunden, eine vorzeitige Entnahme kostet die Förderung
  • Die Auswahl ist begrenzt, es ist kein freies Wertpapierdepot, dies gilt insbesondere für das Standardprodukt
Der Grundgedanke hat sich damit gegenüber Riester umgekehrt: Bei Riester stand der Erhalt der eingezahlten Beiträge im Vordergrund. Beim Altersvorsorgedepot steht das langfristige Wachstum im Vordergrund. Im Gegenzug tragen Sie das Marktrisiko selbst.

Worauf Sie bei den Kosten achten sollten

Die Kosten sind der Punkt, an dem sich gute und schlechte Angebote am deutlichsten unterscheiden werden. Für das Standardprodukt gilt eine Obergrenze von 1,0 Prozent Effektivkosten im Jahr. Für andere Modelle, die als „Premium" oder mit zusätzlichen Leistungen angeboten werden, gilt dieser Deckel nicht. Sie können deutlich teurer sein.

Altersvorsorgedepot oder Riester: Sollte ich wechseln?

Nicht allein wegen des neuen Namens. Bestehende Riester-Verträge dürfen grundsätzlich zu den bisherigen Bedingungen weiterlaufen. Ältere Verträge können je nach Garantien, Kosten, Zulagenansprüchen, Rentenbeginn und bereits aufgebautem Kapital weiterhin sinnvoll sein, manche sogar besser als ein neues Angebot.
Ob sich ein Wechsel lohnt, lässt sich nur rechnen, nicht schätzen. Dafür gehören die tatsächlichen Effektivkosten, die Garantien, mögliche Förderverluste und die späteren Auszahlungsbedingungen nebeneinander. Die Verbraucherzentrale rät ausdrücklich davon ab, sich Ende 2026 zu schnellen Abschlüssen oder Wechseln drängen zu lassen. Diesem Rat schließen wir uns an.

Für wen kann sich das Altersvorsorgedepot lohnen?

Besonders interessant kann das Altersvorsorgedepot sein für:
  • Familien mit Kindern, weil die Kinderzulagen die Förderung deutlich erhöhen
  • Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger, die noch viele Jahre bis zur Rente haben und den Bonus mitnehmen können
  • Menschen mit langem Anlagehorizont, die Schwankungen am Kapitalmarkt aushalten können und nicht vorzeitig an das Geld müssen
  • Selbstständige und Freiberufler, die bisher kaum Zugang zu geförderter Vorsorge hatten
Weniger passend ist es, wenn Sie nur noch wenige Jahre bis zur Rente haben, das Geld möglicherweise vorher brauchen oder starke Wertschwankungen Ihnen schlaflose Nächte bereiten würden.
Das Altersvorsorgedepot ist auch nicht automatisch besser als ein gewöhnlicher Investment-/ETF-Sparplan. Welche Seite überwiegt, ist eine Frage Ihrer persönlichen Zahlen. Für Beamtinnen und Beamte stellen sich zusätzlich eigene Fragen, etwa zum Zusammenspiel mit der Pension.

Wie wir einordnen, ob das Altersvorsorgedepot zu Ihnen passt

Das Altersvorsorgedepot ist ein Baustein, keine Gesamtlösung. Ob er für Sie sinnvoll ist, lässt sich nur unter Berücksichtigung Ihrer Gesamtsituation beantworten: Ihre bestehenden Verträge, Ihre gesetzliche Rente oder Pension, Ihre Absicherung, Ihre Ziele und wie viel Schwankung Sie mittragen möchten.
Genau dafür gibt es die Finanzanalyse nach DIN 77230. Diese Norm legt fest, in welcher Reihenfolge Finanzthemen betrachtet werden: Zuerst die Absicherung existenzieller Risiken, dann die Altersvorsorge und die Vermögensplanung.
In der Ruhestandsplanung schauen wir dann gemeinsam mit Ihnen, welche Komponenten der Altersvorsorge für Sie sinnvoll und vorteilhaft sind. Und zur Transparenz: Vermitteln wir einen Vertrag, werden wir in der Regel über eine Courtage vergütet. Deshalb ist uns die objektive, dokumentierte Auswahl wichtig.
Häufig gestellte Fragen
Manche Fragen werden uns immer wieder gestellt. Hier finden Sie die Antworten.
Ab wann gibt es das Altersvorsorgedepot?
Wie hoch ist die staatliche Zulage beim Altersvorsorgedepot?
Sollte ich meinen Riester-Vertrag in ein Altersvorsorgedepot wechseln?
Kann ich beim Altersvorsorgedepot Geld verlieren?
Was kostet ein Altersvorsorgedepot?
Ihr nächster Schritt: Klarheit, bevor Sie abschließen
Mit unserer Finanzanalyse nach dem anerkannten Standard DIN 77230 und unserer detaillierten Ruhestandsplanung sehen Sie objektiv, wo Sie stehen, und ob das Altersvorsorgedepot in Ihrer Vorsorge ein sinnvoller Baustein sein kann, oder ob andere Methoden der Altersvorsorge für Sie besser passen.
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Wenn Sie vor einer finanziellen oder immobilienbezogenen Entscheidung stehen, klären wir gemeinsam Ihre Ausgangssituation, Prioritäten und möglichen nächsten Schritte.
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Karsten Müller und Anna Sodki stehen neben einem Roll-Up mit der Aufschrift "KlarStrategie"
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Über den Autor
Karsten Müller
Karsten Müller ist Diplom-Betriebswirt und Versicherungskaufmann. Bei der KlarStrategie GmbH in Köln berät er zu Vorsorge, Absicherung und nachhaltigem Vermögensaufbau, unabhängig und auf Augenhöhe.
Rechtlicher Hinweis
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung. Er enthält keine Rendite- oder Erfolgsversprechen. Für Ihre persönliche Situation sprechen Sie uns gern an.